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Schnabelwachstum

Der Schnabel des Sittichs besteht aus Horn, ist jedoch mit Nerven und Blutgefäßen durchzogen. Bei manchen Wellensittichen beginnt der Schnabel übermäßig zu wachsen, was verschiedene Ursachen haben kann.

Die Ursachen

Als häufigste Ursache für zu schnelles Schnabelwachstum wird der Mangel an Abnutzung angeben. Dies kann passieren, wenn der Sittich keine Gelegenheit hat zu knabbern und sich seinen Schnabel abzuwetzen. Vorbeugend sollte man auf alle Fälle Naturzweige anbieten.

Eine weitere Ursache kann Bewegungsmangel sein - entweder weil der Vogel zu dick und daher zu faul ist, oder weil er nicht genügend Flugmöglichkeit oder andere Betätigungsfelder vorfindet. Solche Vögel verkümmern leicht und werden sich für ein Naturästchen nicht mehr interessieren.
Aber auch organisch bedingte Ursachen können starkes Schnabelwachstum auslösen, wie etwa Hormonstörungen.

Nicht jeder Vogel also, dessen Schnabel zu schnell wächst, ist faul oder wird nicht artgerecht gehalten. Oft wächst der Schnabel ohne jeden ersichtlichen Grund ins bodenlose.

Wann ist der Schnabel zu lang?

Die Beurteilung der richtigen Schnabellänge ist nicht immer leicht. Am besten kann man Wellensittichischnäbel einschätzen, wenn man mehrere Sittiche besitzt. Dann fällt ein etwas zu langer Schnabel eher auf, weil man einen Vergleich hat.

Dennoch - ab wann muß etwas dagegen unternommen werden?
Der Sittich gewöhnt sich schnell an einen deformierten Schnabel, und so fällt es dem ungeübten Auge oft lange nicht auf. Auch wenn es auffällt, wundert man sich oft, daß der Vogel mit seinem Schnabel noch zurechtkommt.

Was tun?

Im Zweifelsfall ist ein Spezialist zu Rate zu ziehen. Wenn nun feststeht, daß der Schnabel tatsächlich die normal Länge überschreitet, sollte man den Schnabel kürzen.

Warum nicht einfach länger lassen, wenn
der Vogel doch zurechtkommt?

Diese Frage taucht häufig auf und entsteht meist aus der Angst, dem Vogel beim Schneiden weh zu tun - außerdem ist es für beide, Vogel und Vogelhalter - ein Streß.
Dennoch lohnt sich zu seltenes Schneiden nicht wirklich. Denn die Blutgefäße im Horn wachsen mit dem immer längeren Schnabel mit. Schließlich wird ein Schneiden auf normale Länge unmöglich, weil man sonst die Blutgefäße verletzten würde.
Lieber sollte man also den Streß auf sich nehmen und dafür sorgen, daß der Schnabel möglichst oft aber dafür wenig geschnitten wird.

Übrigens: Es ist eine hartnäckige Legende, daß das Horn umso stärker nachwächst je öfter man es schneidet. Horn ist ein totes Material kann dem Körper keine Rückmeldung darüber geben, ob es zu einem langen oder einem kurzen Haar - oder Schnabel - gehört. Daher kann das Wachstum von Horn auch nicht gesteuert werden. Nur: Das Wachstum fällt bei kurzen Haaren stärker auf als bei langen.

Schnabel kürzen

Den Sittichschnabel kann man entweder selber kürzen oder dies beim Fachmann vornehmen lassen - die Wahl bleibt jedem selbst überlassen. Wer sich unsicher ist, es aber lernen möchte, kann sich das Kürzen auch einmal vom Tierarzt zeigen lassen oder ihn bitten, es unter seiner Anleitung einmal selbst versuchen zu dürfen. Wird das Schnabelkürzen zur monatlichen Notwendigkeit, ist es vorteilhaftm wenn man es selbst erledigen kann.

Man sollte folgendes zur Hand haben:
- Nagelknipser
- Nagelfeile, am besten aus Papier
- Eisen-III-Chlorid, Seife oder Superkleber
- bei bissigen Vögeln dünne Stoffhandschuhe
- gute Nerven :-)

Um den Vogel zu behandeln, fixiert man den Kopf zwischen Daumen und Zeigefinger. Ich zwicke zunächst die Spitze ab - oft läßt sich ein Vogel auch gar nicht mehr gefallen. Falls doch, kann man die nun gerade Spitze links und rechts mit dem Nagelknipser noch etwas zurechtstutzen. Bei sehr geduldigen Vögeln kann man auch noch die Grate und Ecken etwas mit der Feile nachschleifen.
Geht jedoch nur ein erster Zwick, sollte man es dabei belassen. Der Schnabel wetzt sich nachher normalerweise wieder zurecht.

Wenn es blutet

Auch geübten Haltern passiert es: Zu tief hineingeschnitten - ein Blutgefäß verletzt - Blutungen.
Mit auf einem Wattebausch aufgetragenem Eisen-III-Chlorid sollte sich die Blutung stillen lassen. Ein anderer Tip ist, die Spitze in Seife zu stecken (die Ungenießbarkeit von Seife sollte man in Anbetracht der Schwere der Blutung vernachlässigen). Auch mir ist dieses Mißgeschick einmal passiert, und ich tropfte Superkleber auf das Horn, was ziemlich schnell wirkte. Aus Erfahrung weiß ich, daß Superkleber auf offenen Wunden nicht brennt, da man damit auch eingerissene Fingernägel "superkleben" kann.

In jedem Fall sollte man vorsichtig kürzen, da solch eine Blutung für den Vogel auch tödlich enden kann. Lieber etwas zu wenig wegnehmen und am nächsten Tag noch einen Versuch unternehmen!

Abgebrochener Schnabel

Der Schnabel kann aber nicht nur zu lang werden, sondern auch abbrechen. Dies passiert meistens bei Unfällen (etwa, wenn der Vogel gegen eine Fensterscheibe prallt) oder aber durch Krankheiten, die das Horn brüchig werden lassen.
Blutungen stillt man wie oben. Ist nicht allzuviel vom Schnabel abgebrochen, wird die Spitze wieder nachwachsen. Fehlt jedoch über die Hälfte, geht der Neuaufbau erfahrungsgemäß nur noch sehr langsam vor sich oder bleibt gänzlich aus.
Das Aufsetzen einer Schnabelprothese ist unüblich. Eigentlich kann man als Vogelhalter in solch einem Fall nicht viel tun und nur hoffen, daß der Vogel mit dem verkürzten Schnabel umzugehen lernt - was auch meistens der Fall ist. Wenn der Vögel nicht mehr fähig ist, normale Körner zu knacken, kann man versuchen, geschälte Körner anzubieten.
Gewöhnt sich der Sittich an die neue Situation oder wird er von einen Partner gefüttert, besteht kein Grund zum Einschläfern.

etwas zu langer Oberschnabel
Dieser Schnabel ist etwas zu lang

die richtige Länge
Diese Schnabellänge ist genau richtig

Nagelknipser
Ein Nagelknipser eignet sich gut
zum Schnabelkürzen.
Nicht geeignet sind spitze Scheren wie etwa Nagelscheren, da sich der Vogel wehren und die Augen verletzen kann.

blutender Schnabel
Hier wurde zu viel gekürzt.
Die Blutung konnte jedoch
gestillt werden.

abgebrochener Oberschnabel
Paula war durch exzessives
Federrupfen geschwächt. Ihr
Schnabel brach ohne äußere
Krafteinwirkung und regenierte
sich wieder.


Diesem Vogel brach vor Jahren fast der gesamte Oberschnabel ab. Er wird nicht mehr nachwachsen.
(Photo: Gaby Schulemann)

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