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Der Speiseplan

Handelsübliches Körnerfutter bezeichnet sich gerne als "Alleinfuttermittel". Dieses ist zwar als Grundlage unentbehrlich, aber sicher nicht ausreichend für die alleinige Fütterung. Zwar kann ein Wellensittich durchaus viele Jahre überleben, wenn er ausschließlich damit gefüttert wird - gesunde, abwechslungsreiche und vor allem artgerechte Ernährung allerdings sieht anders aus.

Sämereien

Das herkömmliche Körnerfutter enthält üblicherweise rote und weiße Hirse, Glanz, Rollhafer und oft noch einige andere Getreidesorten.

Einen besonderen Leckerbissen stellt eine Wildsamenmischung dar. Sie besteht zumeist aus Knaulgrassamen, Salatsamen, Sesam, Mohn und ähnlichem. Während Grassamen eher als Diätkost gelten, sind Sesam und Mohn als Ölsaaten recht gehaltvoll. Eine regelmäßige (aber mäßige) Beimengung ist in jedem Fall eine Bereicherung.

Kolbenhirse zählt wie das Körnerfutter zu den ausgereiften und gehaltvollen Samen. Die rote Kolbenhirse ist gegenüber der weißen Kolbenhirse noch etwas gehaltvoller, beide stellen jedenfalls einen sehr kalorienreichen Leckerbissen dar, der nur hin und wieder oder zur Genesung gereicht werden sollte.

Die reife Silberhirse (oder Rispenhirse) ist ebenfalls sehr nahrhaft und in den meisten Futtermischungen enthalten. Eine untentbehrliche Variante stellt die halbreife Silberhirse dar, im Verkauf erhältlich als grüne Hirse. Halbreife Samen entsprechen generell dem natürlichen Nahrungsangebot des Wellensittichs am besten.

Auch Keimfutter entspricht in etwa der Konsistenz halbreifer Körner, befindet sich jedoch in einer ganz anderen Entwicklungsstufe. Ein großer Teil der trockenen Körner ist zur Herstellung von Keimfutter geeignet, worüber ich eine eigene Seite zusammengestellt habe.

Grünzeug

Nun kommen wir zum interessanten Teil - die spannenden Dinge, die es nicht als deklariertes Wellensittichfutter im Zoofachhandel zu kaufen gibt! Absolut unentbehrlich und geradezu beliebt sind Obst, Gemüse und Salate. Auch wenn viele Vogelhalter behaupten: "Mein Wellensittich sieht das nichtmal an!" so ist es doch ein wesentlicher Bestandteil der wellensittischen Ernährung. Furcht vor Gemüse ist übrigens weitverbreitet - sie tritt vor allem bei einzeln gehaltenen Tieren auf, die selbiges noch nie zuvor gesehen haben. Bei der Haltung von Paaren oder Gruppen gibt es immer einen Vorreiter, der das unheimliche Gemüse zum ersten mal antastet. Ist dieser einmal auf den Geschmack gekommen, sind die anderen nicht mehr zu bremsen...

Für Obst gibt es faktisch keine Begrenzungen - alles darf angeboten werden. Das reicht von Apfel und Birne über Melone und Banane bis hin zu Orange und Kiwi. Sicherlich enthalten die süßen Früchte einen gewissen Zuckeranteil, was jedoch durch den hohen Wassergehalt wettgemacht wird. Auch Erdbeeren, Pflaumen und Weinbeeren sind erlaubt, man kann es auch mal mit exotischen Früchten probieren - was die Sittiche dann nehmen, ist Geschmackssache.

Etwas andres sieht es dagegen mit Gemüse aus. Zwar sind Gurken, Karotten, Paprika, Fenchel und Zucchini bestens geeignet, Avocado dagegen ist für Wellensittiche giftig.

Salate sind ebenfalls umstritten, weil sie generell stark gespritzt werden und eigentlich gar nicht soviele Vitamine enthalten. Bei Wellensittichen sind sie allerdings vor allem als "Badehilfe" sehr beliebt - Grünzeug in der Badewanne animiert unheimlich! Aus diesem Grunde sollen meine Geier nicht auf Salat verzichten müssen. Gut geschrubbt in die Wanne gelegt erhöht er den Lebensstandard der Wellensittiche enorm. Jede Art von Salat ist übrigens dafür geeignet: Kopfsalat, Friseesalat, Lollo Rosso, Eisbergsalat, Vogerlsalat (natürlich) und auch Chinakohl. Je "kuscheliger" desto beliebter!

Küchenkräuter wie Petersilie, Dille, Möhrengrün, Basilikum oder Schnittlauch sind ebenfalls sehr begehrt. Eine weitere "grüne" Möglichkeit ist Katzengras, das aus Hafersprossen besteht. Allerdings sollte man dabei darauf achten, daß die Sittiche keinen Zugang zum Substrat haben (Erde oder Sägespäne), da sich hier oft Pilze ansiedeln - und gegen Pilze ist der wellensittische Organismus sehr empfindlich! Eine geeignete Methode: über die Katzengrasschale ein Gitter legen, sodaß die Halme zwar angeknabbert werden können, nicht aber im Substrat gewühlt wird.

Wildkräuter sind für unbotanische Menschen ein Problem. Dennoch empfiehlt es sich, zumindest mit der Vogelmiere vertraut zu werden, da sie äußerst beliebt ist und praktisch jedem Vogel seine Scheu vor Grünzeug nimmt. Ebenfalls empfehlenswert sind Blätter und Fruchtstände von Spitz- und Breitwegerich, die Blätter des Löwenzahns und das Gänseblümchen.

  • Wichtig: Jegliches Grünzeug ist vor dem Verfüttern gründlich zu waschen!

Sonstiges

Als Nahrungsmittel im weiteren Sinn bezeichne ich Äste, mit oder ohne Blätter. Obwohl sie zum Großteil nur benagt werden, nehmen die Wellensittiche doch einen Teil davon auf. Deshalb sollte man unbedingt darauf achten, keine giftigen Äste zu ergattern. Auch hier sind wiederum die Botaniker im Vorteil. Es eigenen sich alle Weiden, alle Linden, Birke, Hasel, Buche, Hainbuche und eigentlich sämtliche Obstbäume. Wobei bei Steinobst (Aprikose, Pflaume, Kirsche...) gewisse Bedenken bestehen wegen des Blausäuregehalts in der Rinde. Ich selbst biete meinen Geiern eigentlich immer Kirschzweige an, und noch nie hatte ich deswegen Probleme. Wer ganz sichergehen will, verfüttert nur Kernobst wie Apfel oder Birne.

Neben ihrer Hauptfunktion als Sitzstangen ersetzen Äste auch teure Leckerlies wie Knabberstangen, Körnerherzen und Kräcker, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, da ich sie für den Speiseplan meiner Sittiche entbehrlich finde.

  • Wichtig: Die Äste sind gut zu bürsten, bevor man sie den Vögeln anbietet!

Nicht angeboten werden dürfen Eiche und Walnuß (wegen des hohen Gerbstoffanteils), sowie die allseits als giftig bekannten Arten Eibe und Goldregen, auch Holunder und Flieder sind umstritten.

Kalkprodukte

Sie stellen ebenfalls "Nahrungsmittel" im weiteren Sinn dar. Hauptsächlich bekommt man Sepiaschalen und Kalksteine im Zoofachhandel. Ich persönlich habe mit den relativ weichen Sepiaschalen eher frustrierende Erfahrungen gemacht, da sie, wenn mal von Kleopatra entdeckt, innerhalb von zehn Minuten zu Staub zerschreddert wurden... Kalksteine halten erheblich länger und sorgen für wesentlich bessere Schnabelküre :-) Sehr beliebt sind auch immer die Eierschalen, welche vom dekadenten menschlichen Frühstück übrig bleiben. In Bezug auf Salmonellengefahr kann man die Schalen vor der Verfütterung im Backrohr zwanzig Minuten backen.

Dieser Speiseplan ist noch keineswegs vollständig, zeigt jedoch auf, wie vielseitig der Wellensittich doch ist und wieviel ihm entgeht, würde man ihm nur das trockene Körnerfutter gönnen.

Körnerfutter, rote + weiße HIrse
oben: übliches Körnerfutter
links unten: rote & weiße Hirse
rechts unten: Wildkrautsamen

weiße, rote und grüne Hirse
Weiße, rote und grüne
Kolbenhirse
weiße, rote und grüne Hirse

Äpfel aus dem eigenen Garten
Bioäpfel sind am besten

Karl
Fast alle Wellensittiche mögen Salat
weiße, rote und grüne Hirse

Vogelmiere
Die Vogelmiere wächst auch
gern in Blumentöpfen
weiße, rote und grüne Hirse

Fipsi beim Knabbern
Rispel raspel...

Sitzplatz mit Lindengrün
Ein Platz im Grünen...

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